Querbauwerke in den Hauptwanderrouten (FGG Weser, 2016)

Querbauwerke in den Haupt-
wanderrouten (FGG Weser, 2016)

Die Bedeutung der Durchgängigkeit wird deutlich vor dem Hintergrund, dass Wanderfische wie Aal, Meerforelle, Meer- und Flussneunauge in ihrem Lebenszyklus auf Wanderungen zwischen dem Meer und den Binnengewässern angewiesen sind. Neben diesen sogenannten diadromen Arten zeigen viele andere Fischarten ausgeprägte Wanderbewegungen zwischen ihren Laich-, Aufwuchs- und Winterhabitaten innerhalb eines Einzugsgebietes.

Die ca. 4.700 Querbauwerke in der Flussgebietseinheit Weser, die sich auf eine Gesamtstrecke von ca. 18.000 Kilometer Fließgewässerstrecke verteilen, dienen vor allem zur Steuerung der Wasserstände und des Abflusses (Be- und Entwässerung von Nutzflächen, Hochwasserschutz), zur Aufrechterhaltung der Schifffahrt und zur Nutzung der Wasserkraft. Die Querbauwerke führen aber zu Veränderungen der Strömungsverhältnisse, zur Störung des Geschiebetransports, zur Ablagerung von Feinsedimenten in den Rückstaubereichen sowie zur Erwärmung, Entstehung von Algenblüten und Sauerstoffmangelsituationen, zur Nivellierung der Grundwasserdynamik in den Auen und einer erheblichen Einschränkung der Vernetzung von Lebensräumen. In der Flussgebietseinheit Weser kam es hierdurch zu einem gravierenden Rückgang bis hin zum Aussterben von Wanderfischarten. Die Verbesserung der Durchgängigkeit ist damit essentiell für das Erreichen des guten ökologischen Zustands bzw. Potentials.

Das grundlegende überregionale Bewirtschaftungsziel ist die Optimierung der ökologischen Durchgängigkeit in den überregionalen Wanderrouten zur Erschließung und Vernetzung von Laich- und Aufwuchshabitaten. Als länderübergreifend abgestimmte Empfehlung für die Konkretisierung dieses überregionalen Handlungsfeldes wurde 2009 die "Gesamtstrategie Wanderfische in der Flussgebietseinheit Weser" vorgelegt (FGG Weser, 2009).

Mit der Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes im Jahr 2010 wurde die Verantwortung für die Erhaltung und Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an den Stauanlagen der Bundeswasserstraßen auf die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) übertragen. Um dieser gesetzlichen Verantwortung gerecht zu werden, hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung nach fachlicher Vorarbeit durch die Bundesanstalten für Gewässerkunde und Wasserbau (BfG und BAW) ein bundesweites Priorisierungskonzept "Durchgängigkeit Bundeswasserstraßen" erarbeitet (BMVBS, 2012). Das Priorisierungskonzept berücksichtigt die Empfehlungen der "Gesamtstrategie Wanderfische in der Flussgebietseinheit Weser". Entlang der Bundeswasserstraßen an Weser, Fulda, Werra, Aller und Leine werden 31 Staustufen betrachtet (BfG, 2010).