Runder Tisch Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion

Messstellen zur Überwachung der
OWK bzgl. der Salzbelastung (FGG Weser, 2016)

Messstellen zur Überwachung der
OWK bzgl. der Salzbelastung
(FGG Weser, 2016)

Im Rahmen der Zustandsbewertung nach EG-WRRL wird die Belastung der Oberflächenwasserkörper mit den Salzionen Chlorid, Kalium oder Magnesium nach der Oberflächengewässerverordnung (OGewV) für den chemischen Zustand nicht explizit berücksichtigt, es gibt keine EU-weiten Vorgaben hierzu. Die Chloridkonzentration ist national lediglich wie Nährstoffe, Sauerstoff und Temperatur bei der Bewertung des ökologischen Zustands bzw. Potentials als allgemeine physikalisch-chemische Qualitätskomponente unterstützend heranzuziehen. In der novellierten OGewV ist dafür ein Orientierungswert für Chlorid von 200 mg/l für den guten Zustand als Jahresmittelwert unabhängig vom Gewässertyp angegeben. Aufgrund dieser Ausgangslage hatte sich der Runde Tisch mit der Ableitung von Wertebereichen für die Salzionen auseinandergesetzt. Dabei wurden neben biologischen Auswirkungen auch Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Salzionen berücksichtigt.

Auf Basis dieser Grundlagen hatte sich die FGG Weser dafür entschieden, für die Beurteilung der Belastungen, Maßnahmen und Bewirtschaftungsziele für die Flussgebietseinheit Weser einheitlich die Richtwerte 300 mg/l Chlorid, 20 mg/l Kalium und 30 mg/l Magnesium als maximal zulässige Konzentrationen (90-Perzentile) bzgl. der Salzbelastung heranzuziehen. Diese gelten ergänzend zum Orientierungswert der LAWA für Chlorid von 200 mg/l als Jahresmittelwert, solange es für diese Ionen keine bundeseinheitliche Regelung gibt. Am Pegel Boffzen korrespondiert das 90-Perzentil von 300 mg/l Chlorid ungefähr mit dem Orientierungswert der LAWA als Jahresmittelwert, beschränkt aber zusätzlich die Schwankungsbreite der Konzentrationen im Jahresverlauf.

Für die Zustandsbewertung der Grundwasserkörper mussten für das Werra-Kaligebiet gesonderte Kriterien entwickelt werden. Der für den chemischen Zustand des Grundwassers bezüglich der Salzbelastung national festgelegte Schwellenwert von 250 mg/l Chlorid (Grundwasserverordnung, aus dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung abgeleitet) kommt infolge der deutlich erhöhten geogenen Hintergrundwerte für Chlorid und die übrigen kaliabwasserrelevanten Stoffe nicht zur Einstufung des chemischen Zustands zur Anwendung. Da infolge der komplexen Hydrogeologie und einer extrem hohen räumlichen Variabilität der geogenen Hintergrundwerte die Einstufung des chemischen Zustandes mittels eines auf die Höhe des geogenen Hintergrunds erhöhten Schwellenwertes auch nicht möglich ist, wurde die "anthropogene Belastung" zum Maß genommen. Eine solche anthropogene Beeinflussung des Grundwassers im jeweiligen Grundwasserkörper durch die Salzabwasserversenkung liegt dann vor, wenn folgendes gilt:

  1. die Unterschreitung des Ionenverhältnisses von Ca/Mg ≤ 1:0,61 (aus mg/l berechnet) und gleichzeitig der Magnesiumwerte ≥ 50 mg/l, zeigt eine direkte Einmischung von Versenkabwässern in den Grundwasserkörper an
  2. ansteigende Trends der Ionen Kalium, Magnesium, Sulfat und Chlorid ab Konzentrationen von Kalium ≥ 9 mg/l, Magnesium ≥ 37,5 mg/l, Sulfat ≥ 180 mg/l und Chlorid ≥ 187,5 mg/l

Die absolut zu erreichenden Konzentrationen können nicht pauschal festgelegt werden, da sie in der Fläche und in der Höhenlage innerhalb des Buntsandstein-Grundwasserleiters starken geogenen Schwankungen unterworfen sind. Es wurde hier nach Expertenbewertung, möglichst unter Zuhilfenahme historischer geogener Messwerte am gleichen Ort, ein Zielwert für den Einzugsbereich der jeweiligen Messstelle definiert. Liegt eine anthropogene Beeinflussung vor, ist der gute Zustand verfehlt.